Nachbearbeitung 2012

In Porta Westfalica an der Weser haben bereits seit mehreren Tausend Jahren Menschen das Gelände der Ausgabungsstätte als Lager genutzt. Steinzeitmenschen, Römer und Germanen haben hier gelagert. Die größte Überraschung und bisher einmalig in Europa ist, dass nunmehr auch ein Landsknechtslager nachgewiesen werden konnte. Münzfunde sowie vor Ort gegossene Bleikugeln belegen, dass hier Landsknechte gelagert haben, vermutlich zur Belagerung von Minden.

In 2012 wurde die Grabung beendet. Die Fundstücke werden katalogisiert, zum Teil gezeichnet, Gefäße und Urnen zusammengesetzt…

 

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Der Förderverein bereitet zur Zeit in der Nähe der Ausgrabungsstätte eine Dauerausstellung vor.

 

Geschrieben von Roland Kwiedor am 22. Juli 2012

Fundstücke und Befunde

Video: Fundstücke-2009

Präsentation der Fundstücke von der Grabungsleitung der LWL-Archäologie/caption]

 

Präsentation der Fundstücke aus der Grabung 2009 vom Team der LWL-Archäologie

Langsax aus der Zeit Karls des Großen

 

Bis zum Ende des ersten Ausgrabungsabschnittes 2008 sind 193 Sondenfunde, 17 Urnengräber und 4 Feldbacköfen entdeckt worden.

Hier sehen Sie eine kleine Auswahl der bisherigen, bereits aufbereiteten Fundstücke:

 

Bleilote, wie sie die Römer zur Planung eines Lagers benutzten (Foto:LWL)

Bleilote, wie sie die Römer zur Planung eines Lagers benutzten (Foto:LWL)

 

 

Gewandspange

Aucissafibel – Fund der LWL-Archäologie von Anfang Juli 2008 (Foto:LWL)

 

 

 

Sandalennägel

Zwei Schuhnägel aus den Sandalen römischer Legionäre (Foto:LWL)

 

 

 

Rillenbecher Typ Oberaden 30

Randscherbe eines römischen Bechers. Der sogenannte "Rillenbecher vom Typ Oberaden 30" diente einem Legionär wahrscheinlich als Trinkgefäß (Foto: LWL)

 

 

 

Fragmente einer römischen Drehmühle aus Basalt

Fragmente einer römischen Drehmühle aus Basalt. Römische Legionäre backten ihr Brot selber. Mit Drehmühlen wurde das Mehl hergestellt, der fertige Teig in vorgeheizte Feldbacköfen zum backen geschoben (Foto: LWL)

 

 

 

Aucissa-Fibeln aus Bronze

Aucissa-Fibeln aus Bronze. Mit diesen Fibeln, von denen das Prinzip der heutigen Sicherheitsnadel abgeleitet ist, verschlossen römische Legionäre ihre Mäntel (Foto: LWL)

 

 

 

Römischer Zeltnagel vor der Restaurierung

Römischer Zeltnagel vor der Restaurierung. Diesen Zeltnagel aus Eisen verwendeten römische Legionäre zum Abspannen eines Zeltes aus Leder, in dem sie zu jeweils acht Mann auf ihren Märschen übernachteten (Foto: LWL)

 

 

 

Münzfunde I

Münzfunde II

Münzfunde aus unterschiedlichsten Prägezeiten

Perlen Frauengrabbeigabe

Millefioriperlen als Frauengrabbeigabe, Ende 8./Anfang 9. Jahrhundert 

Grabung 2010

Messer vor Bearbeitung

Messerfund 2010 vor Bearbeitung

Körpergräber

Körpergräber Grabung 2010. Wegen des Sandbodens sind die menschlichen Knochen vollends vergangen. Grabbeigaben sind ausser dem eindeutig sichtbaren Befund die einzigen Zeugen der Begräbnisstätten.

Geschrieben von Roland Kwiedor am 10. März 2009

Lagerplatz aus der Zeit der römischen Okkupation Germaniens

Funde von der Steinzeit bis zum 30jährigen Krieg

Anfang Juli 2008 haben Funde aus der Zeit der römischen Okkupation Germaniens, die in Porta Westfalica-Barkhausen (Kreis Minden-Lübbecke) gefunden wurden, überregional für Aufsehen gesorgt. Eine Aucissafibel und eine Bronzemünze des keltischen Stammes der Remer, deren Angehörige Hilfstruppen im römischen Heer stellten, ließen den Verdacht aufkommen, in dem neu erschlossenen Baugebiet „Auf der Lake“ mit der Anwesenheit römischen Militärs rechnen zu müssen.

Aucissafibel - Fund der LWL-Archäologie von Anfang Juli 2008
Aucissafibel – Fund der LWL-Archäologie von Anfang Juli 2008

Im Zusammenhang mit diesen Neufunden bekam der Fund eines Solidus des Augustus, der 1950 bei Bauarbeiten in etwa 150 m Entfernung entdeckt wurde, eine ganz besondere Bedeutung. Deshalb entschloss sich der LWL-Archäologie für Westfalen großflächige Ausgrabungen auf diesem Platz durchzuführen.

Seit dem Beginn der Arbeiten am 22. Juli 2008 sind weitere Funde und Befunde ans Tageslicht gebracht worden, die die Vermutung erhärten, dass hier römisches Militär zur Zeit des Augustus Station machte. Neben Münzen, Fibeln, Schuhnägeln von Legionärssandalen und zwei Bleiloten aus der römischen Vermessungsausrüstung ist es vor allem ein eiserner Zeltnagel, der besondere Aufmerksamkeit erregt.

Der etwa 25 cm lange, vierkantige Eisenstab mit einem eingehängten Ring am oberen Ende diente zum Abspannen eines ledernen Legionärzeltes, das etwa acht Personen Schutz vor der Witterung bieten konnte. Darüber hinaus weisen vier charakteristische Befunde auf römische Feldbacköfen hin. Sie setzen sich zusammen aus Resten der verziegelten Kuppeln aus Lehm, in denen das Brot gebacken wurde, und Gruben vor der Kuppelöffnung, in denen man die heiße Holzasche entsorgte. Die Speicherhitze der Lehmkuppeln reichte für bis zu drei Backgänge.

Leider ist es bisher noch nicht gelungen, den für römische Marschlager charakteristischen, V-förmigen Spitzgraben nachzuweisen. Die Datierungen der Funde, vor allem der Münzen, können auf römische Präsenz während aller römischen Eroberungsfeldzuge von Drusus bis Germanicus hinweisen. Nach dem bisherigen Stand der Grabungen ist ein für längere Zeit belegtes Lager auszuschließen. Die Zahl der geborgenen Funde gibt eher Anlass zu der Annahme, dass die römischen Legionäre hier nur für kurze Zeit campierten.

Neben den römischen Funden und Befunden sind auf den bisher ausgegrabenen 3.800 qm Fläche 18 Urnengräber der jüngeren Bronzezeit und der älteren Eisenzeit geborgen worden. Die tönernen Aschebehälter enthalten die Knochenreste der verbrannten Toten und bisweilen ein weiteres kleines Tongefäß, in dem die Hinterbliebenen Speisen oder ein Getränk für die Reise in das Jenseits mitgaben. Eine Urne war mit einer Feldsteinplatte abgedeckt.

Eine weitere, immer wieder nachzuweisende Befundgattung sind stark mit Holzkohle verfüllte Gruben, in denen sich zahlreiche Eisenteile, darunter auch Messer, und Tierknochen fanden. Erst der Fund einer kleinen Silbermünze mit dem Prägedatum 1621 in einer dieser Gruben erlaubte es, die Befunde der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zuzuweisen. Unklar ist bisher noch ihre Interpretation. Es ist aber nicht auszuschließen, sie im Zusammenhang mit einem Lagerplatz von Landsknechten zu sehen.

Keramikreste aus der jüngeren Steinzeit, der vorrömischen Eisenzeit und der frühen römischen Kaiserzeit sowie eine kleine Emailscheibenfibel aus dem 9. Jahrhundert nach Christus weisen auf die Bedeutung dieses Platzes direkt nördlich der Porta Westfalica für die Menschen in fast allen Epochen der Geschichte in unserer Region hin. Schon heute ist es allen Verantwortlichen und Investoren klar, dass es sich bei dem Baugebiet „Auf der Lake“ um ein kulturhistorisch außergewöhnlich wertvolles Gelände handelt. Deshalb sind die Planungen für die nächste Grabungskampagne, die voraussichtlich im April 2009 beginnen soll, schon weit vorangeschritten.

(Dr. Werner Best, LWL / Bewertung vom 03.03.2009)

Geschrieben von admin am 3. März 2009