Jahreshauptversammlung 2011

Die diesjährige Jahreshauptversammlung fand am 29.03.2011 im Business Center an der Porta Str. in Barkhausen statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung berichteten Frau Dr. Trimmel, Frau Kröger und Herr Dr. Best von den Ergebnissen der Ausgrabungen aus 2010.

 

„Ohne den Förderverein wären die Ausgrabungen bei weitem noch nicht so weit fortgeschritten“, begann Grabungsleiterin Frau Kröger ihren Vortrag. Sie berichtete über die Ergebnisse und Funde aus der Bronzezeit. Als herausragendes  Fundstück präsentierte sie eine Bronzeziste. Dieses etwas 5 Liter fassenden Gefäß wurde bisher sehr selten in Ostwestfalen gefunden. Sie wurde ca. 530-500 vor Chr. genutzt und auffällig oft repariert.

Frau Dr. Tremmel referierte über die Funde aus der Römerzeit.
Es wurden bisher insgesamt ca. 7 Gewandspangen gefunden über 10 Feldbacköfen und über 60 Münzen aus verschiedenen Zeiten. „Man kann davon ausgehen, dass es hier mehrere Lager der Römer gegeben hat“ so Frau Dr. Tremmel

Herr Dr. Best berichtete von den Ergebnissen aus dem Frühmittelalter.
„Völlig überraschend hat man eine große Anzahl an Körpergräbern entdeckt“ erklärte Herr Dr. Best. Leider findet man kaum Knochenreste, geschweige denn Skelette in diesem Boden. So kann nicht mehr ermittelt werden, welchen Geschlechts z.B. der Begrabene war. Es gibt nur ein paar Gräber, die durch Grabbeigaben wie Schwerter oder Perlen Hinweise geben. Weiter fand man Münzen aus der Zeit Karls des Großen in den Gräbern.

Grabbeigabe Glasperlenkette

Die Grabungskampagne 2011 hat bereits am 22. März begonnen und es gibt bereits die ersten Fundstücke. Wenn alles nach Plan verläuft, werden die Grabungen in 2011 abgeschlossen, so Herr Dr. Best.

In seinem Jahresbericht erklärte der 1. Vorsitzende, dass die Grabungskampagne 2010 reibungslos von Statten gegangen sei und dass alles fristgerecht vorbereitet gewesen sei. Der Verein erhielt einige Spenden. Die nicht zweckgebundenen Spenden sollen zur Vorbereitung einer Ausstellung verwendet werden.
Die Ausstellung könnte die vier Schwerpunkte der Grabungsergebnisse wiederspiegeln, Bronzezeit, Römer, Frühmittelalter und der 30-jährige Krieg.
Möglicher Ausstellungsort könne das Business Center sein. Die Räumlichkeiten würden kostenlos zur Verfügung gestellt und sie seien dafür auch gut geeignet, so der 1. Vorsitzenden Stephan Böhme.

Der Bericht des Schatzmeisters Roland Kwiedor befasste sich zum einen mit dem Vermögen des Vereines. Dieser steht finanziell gesehen gut da und es konnte bereits eine größere Summe für die Ausstellung angespart werden. Der Verein hat die gesamte Abwicklung der Ausgrabungen übernommen. So sind die Ausgrabungskräfte beim Verein angestellt und der LWL hat  das Weisungsrecht übernommen. „Wir haben bei den Kosten eine Punktlandung hingelegt, unsere Kalkulation ist genau aufgegangen“ berichtete Roland Kwiedor weiter.

Die Kassenprüfer bestätigten eine ordnungsgemäße Kassenführung und beantragen die Entlastung des Vorstandes. Diese wurde dann auch einstimmig beschlossen.

Da der Verein vor zwei Jahren gegründet wurde, standen die Neuwahlen des Vorstandes an. Der gesamte Vorstand stellte sich zur Wiederwahl. Alle Vorstandsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt. 1. Vorsitzenden Stephan Böhme, 2. Vorsitzender Hans Rösler, Schatzmeister Roland Kwiedor, Schriftführerin Elke Brand und Pressewart Jürgen Ernst.

 

Geschrieben von Roland Kwiedor am 18. April 2011

Zwischenbilanz der Römerfunde an der Porta Westfalica

Ein 2000 Jahre altes Marschlager
(Pressemitteilung des LWL vom 06.01.09)

Porta Westfalica (lwl). Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben seit Mitte 2008 in einem Ortsteil von Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke) 2000 Jahre alte römische Münzen, Gewandspangen, einen Zelthering, Schuhnägel und Spuren von Backöfen ausgegraben. Erstes Fazit nach einem halben Jahr: Die Funde aus Barkhausen gehören "mit sehr großer Wahrscheinlichkeit" zu einem Militärlager, das die Römer während der augusteischen Eroberungskriege in Germanien errichtet haben.

"Die Truppen waren im Rahmen verschiedener Militäroffensiven in den Jahren vor und nach Christi Geburt in Barkhausen immer nur kurz an diesem Ort", so LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale am Dienstag (6.1.) in Porta Westfalica. Es sei möglich, dass der römische Feldherr Varus kurz vor seiner entscheidenden Niederlage 9 nach Christus mit seinen Truppen an dieser verkehrsgeographisch wichtigen Stelle in Barkhausen vorbeigekommen sei. Rüschoff-Thale: " Ob das Varusheer dabei tatsächlich hier Halt machte, können wir bisher nicht beweisen." Die Ausgrabungen werden im Frühjahr fortgesetzt.

"Die insgesamt eher geringe Anzahl an Funden und Befunden spricht dafür, dass die Truppen jeweils nur kurze Zeit hier Station machten oder auf ihrem Marsch nur durch Barkhausen durchzogen" erläuterte die LWL-Expertin für römische Archäologie, Dr. Bettina Tremmel vor Ort. Da die Römer nicht dauerhaft in Barkhausen geblieben seien, hätte dort kein fest ausgebautes Standlager existiert. Stattdessen hätten die Römer während ihrer kurzen, wahrscheinlich nur wenige Tage dauernden Stopps in Lederzelten campiert.

Die Funde
Bis heute wurden insgesamt 20 römische Objekte entdeckt, ähnlich denen in den römischen Militäranlagen von Haltern, Bergkamen-Oberaden und Delbrück-Anreppen.
Besonders interessant sind sieben Bronze- und Silbermünzen sowie Fibeln (Gewandspangen, mit denen die römischen Legionäre ihre Mäntel verschlossen), die in die Zeit des Augustus datieren. Ein eiserner Zelthering diente zur Befestigung lederner Zelte, in denen die Soldaten übernachteten.

Die Archäologen fanden auch Bleilote, wie sie römische Vermessungsingenieure verwendeten. Denn selbst die Anlage der nur wenige Tage genutzten Marschlager, in denen tausende römische Soldaten in Zelten campierten, musste sorgfältig geplant werden.

Die gefundenen eisernen Schuhnägel festigten die Sohle der Römersandalen, die in der einheimischen, germanischen Schuhtradition unbekannt waren. Ein Mühlstein zum Mahlen von Getreide könnte von römischen Soldaten verwendet worden sein.

Die Befunde
Auch Bodenverfärbungen können in Barkhausen mit den Römern in Verbindung gebracht werden: Vier flache, längliche Gruben enthielten verziegelten Lehm und Holzkohlestückchen, die gerade zu Radiocarbon Untersuchungen in Erlangen sind. Die Formen der Gruben besitzen starke Ähnlichkeit mit römischen Backöfen in den römischern Lagern an der Lippe.

Hintergrund
Barkhausen ist ein Stadtteil von Porta Westfalica und liegt westlich der Weser auf einer flachen Geländeterrasse. Der von Süden kommende Fluss verlässt hier das Weserbergland und fließt in Richtung Norden in die Norddeutsche Tiefebene ein. Dabei durchbricht er das Weser- und das Wiehengebirge und bildet so die "Westfälische Pforte". Seit vorgeschichtlicher Zeit führen die Verkehrswege durch dieses von der Natur erbaute Tor.

Das zwei Hektar große Baugebiet "Auf der Lake" ist die einzige größere, nicht bebaute Fläche in Porta Westfalica-Barkhausen. Während 2008 zwei Begehungen der Straßentrassen durch die LWL-Archäologen ergebnislos verliefen, fanden ehrenamtliche Helfer im Juli vergangenen Jahres eine keltische und drei römische Münzen, einen Sandalennagel sowie eine römische Fibel. Die Archäologen hatten danach sofort in Absprache mit der Sparkasse Minden-Lübbecke als Erschließungsträger und den Bauherren mit der Ausgrabung begonnen. Inzwischen sind 5.000 Quadratmeter archäologisch untersucht.

Geschichte
Roms Heerführer versuchten im Laufe von drei Jahrzehnten immer wieder (11 v. Chr.-16 n. Chr.) große Gebiete Germaniens zu erobern und zu unterwerfen. Tausende römischer Soldaten waren in Stützpunkten am Rhein und der Lippe stationiert und rückten von dort aus in Feldzügen bis an die Weser und sogar bis an die Elbe vor. Die LWL- entdeckten nun in Porta Westfalica-Barkhausen einen derjenigen Plätze, den die römischen Truppen auf ihren mühevollen Fußmärschen passierten und an dem sie möglicherweise eine Nacht oder auch ein paar Tage campierten.
 

Geschrieben von admin am 6. Januar 2009

Römische Funde an der Porta Westfalica

(Pressemitteilung des LWL vom 07.08.08)

Porta Westfalica: Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sind vielleicht einem 2000 Jahre alten römischen Lager in Porta Westfalica auf der Spur. Erste Grabungen im Stadtteil Barkhausen westlich der Weser haben Münzen und eine Gewandspange zutage gefördert.

Die Untersuchung der Fundstelle soll jetzt klären, ob die Funde einer germanischen Siedlung, die in unmittelbarer Nähe eines römischen Lagers gelegen haben muss, oder einem römischen Militärlager zuzuordnen sind. "In dieser Gegend ist immer wieder das Sommerlager des Varus vermutet worden, von dem er in die Schlacht gezogen ist, die das Ende der römischen Vorherrschaft in Germanien bedeutete", erläutert der stellvertretende Chefarchäologe des LWL, Dr. Daniel Bérenger, die mögliche Bedeutung der Grabung.

Das Baugebiet "Auf der Lake" ist die einzige größere, nicht bebaute Fläche in Porta Westfalica-Barkhausen. Während zwei Begehungen der Straßentrassen durch die LWL-Archäologen ergebnislos verliefen, fanden ehrenamtliche Helfer im Juli eine keltische und drei römische Münzen, einen Sandalennagel sowie eine römische Fibel (Gewandspange der Legionäre). Die Archäologen haben danach sofort in Absprache mit der Sparkasse Minden-Lübbecke als Erschließungsträger und den Bauherren mit der Ausgrabung begonnen.

"Die Münzen und die Gewandspange gaben erste Indizien dafür, dass sich in Barkhausen in der Zeit um Christi Geburt Römer aufgehalten haben", so die LWL-Expertin für römische Archäologie, Dr. Bettina Tremmel . "Nach dem derzeitigen Kenntnisstand ist nicht auszuschließen, dass Barkhausen eine wichtige Rolle beim Versuch der Römer, das freie Germanien zu erobern, gespielt hat."

Geschrieben von admin am 7. August 2008